Watoto - Solar Power

Solarstrom für LPS und LHS


Solarstrom und Kenia, das passt doch wie die Faust auf's Auge - sollte man meinen. Nur: so einfach ist das nicht. Trotz der in den letzten Jahren enorm gestiegenen Energiekosten hat sich die so genannte Photovoltaik in Kenia nämlich noch nicht durchgesetzt. Warum eigentlich?

Das Hauptproblem ist der staatliche Stromversorger Kenya Power & Light (KPLC). Der weigert sich nämlich, Stromeinspeisungen in sein Netz zu vergüten. Das bedeutet, dass der nachts bezogene Strom zusätzlich bezahlt werden muss, weil der tagsüber von einer Solaranlage produzierte überschüssige Strom nicht aufgerechnet werden kann. Natürlich könnte man den Stromüberschuss auch in Batterien speichern, aber die müssten leistungsfähig sein und wären entsprechend teuer. Eine Schule könnte sich eine solche Anlage im Prinzip gar nicht leisten.

Im Prinzip. Wenn aber ein Unternehmen wir die Phoenix Solar AG sich dazu entschließt, eine komplette Solaranlage mit allem Zubehör inklusive Batterien zu spenden und gleich noch den Techniker mitschickt, der die Installation plant, anleitet und überwacht, dann sieht die Sache ganz anders aus. Dank Phoenix hat die Likunda Primary School heute eine Solaranlage, die so großzügig bemessen ist, dass die Schule auf Strom von der KPLC in Zukunft (fast) verzichten kann und auch noch genügend Leistung vorhanden ist, dass damit u.a. die Wasserpumpe der Lulu High School betrieben werden kann. Damit sind die Mekaela Academies heute (Stand 2011) die einzigen Schulen in ganz Kenia, die über eine solche Solaranlage verfügen.

Die Anlage wurde in zwei Teilen Ende November und im Dezember von Hamburg aus nach Mombasa verschifft. Während die beiden Ladungen auf See waren, traf Jack mit seinem Team die Vorbereitungen für den Aufbau. Eigentlich sind Solaranlagen in Kenia von Zöllen befreit - so dachten wir, und eigentlich stimmt das auch. Doch nachdem die erste Ladung gelöscht worden war und in den Lagerhallen des Hafens auf Abholung wartete, verlangte der Zoll auf einmal mehrere Tausend Euro Einfuhrzoll. Angeblich sollten ausschließlich Solarzellen zollfrei sein. Das Gleiche drohte uns für die Batterien, die ein paar Wochen später ankommen sollten.

Natürlich hätten wir den Rechtsweg beschreiten können und sicher auch Recht bekommen, nur: wann? Die Zeit drängte, denn Thomas Schwarz, der Techniker von Phoenix hatte nur wenige Tage für den Aufbau geplant und musste unbedingt zurück nach Deutschland, und außerdem kostete jeder Tag der Lagerung im Hafen viel Geld. Wir schickten also zwei Lehrer nach Nairobi, um beim Finanzministerium eine Ausnahmegenehmigung zu beantragen. Der Minister erteilte die Genehmigung auch innerhalb von wenigen Tagen, und wir konnten die Anlage schließlich an der LPS in Empfang nehmen.

Doch dann traten die ersten Probleme auf...
 

Die Anlage schwamm noch auf dem Meer, während Jacks Team mit den Arbeiten für den Aufbau der Anlage anfing. Es sollte eine stabile Tragekonstruktion aus Aluminium- und Stahlprofilen errichtet werden, die mindestens 20 Jahre lang halten muss.
Zunächst wurden Löcher in den Fels geschlagen, in denen die Stützpfeiler versenkt werden. So etwas ist hier noch gute, solide Handarbeit, das ist doch Ehrensache. Anschließend wurde Beton in die Löcher gefüllt.
Nachdem die Stützpfeiler in den Beton eingelassen wurden, montierte das Team die Trageprofile. Thomas Schwarz, der Techniker von Phoenix Solar, hatte den Winkel für eine ideale Sonnenausbeute berechnet. Danach war aber erst einmal Pause, denn die Anlage lagerte noch im Hafen.
Endlich war das Material aus Deutschland angekommen. Mehrere Tonnen Hightech Zeugs wurden im Speisesaal der LPS einquartiert: Solarzellen, Profile, Kabel, Schalter, Gehäuse usw.
Jack hatte nur drei Tage Zeit, die Solarzellen zu montieren, denn Herr Schwarz musste zu einem festen Termin zurück nach Deutschland. Die erste Lage Solarzellen wurde auf den Querstreben aus Aluminium befestigt. Tag 1.
Immer noch Tag 1: Die zweite Lage sitzt, wackelt und hat Luft.
Tag 2: Die mittlere Reihe ist fast fertig, das Team hat inzwischen genügend Praxis und wird immer sicherer, besser und schneller.
Tag 3: Die Solarzellen sind komplett montiert, die Kabel liegen bereit für eine Verbindung ins Power House, der Schaltzentrale für die Anlage.
Herr Schwarz war skeptisch, wie er zugab, aber Jacks Team hatte es geschafft. In nur drei Tagen wurden die Solarzellen auf die Träger montiert. Die gesamte Fläche ist fast doppelt so groß wie ein Tennisplatz.
Stolz und glücklich: Jack und sein Team nach vollbrachter Leistung. Abends gab es als Dankeschön und zur Anerkennung ein paar Bierchen, die waren mehr als verdient. Der Erfolg durfte auch gefeiert werden, und schließlich war Freitag.
Nach dem Wochenende kamen dann auch die Batterien aus dem Hafen in der LPS an. Die 24 Batterien wiegen etwa 6 Tonnen, das sind 250 kg pro Batterie. Kein Wunder, dass unsere Jungs sich da abmühen, und das 24 Mal!
Die Elektroinstallationen werden durchgeführt. Hunderte von Kabeln und Anschlüssen sind zu verarbeiten, aber Dank guter Planung und professioneller Anleitung macht das Team gute Fortschritte. Der erste Strom fließt bereits, weil aber die Batterien noch nicht betriebsbereit sind, geht der überschüssige Strom noch ins Netz der KPLC. Der Trichter für das Einfüllen der Säure in die Batterien liegt aber schon bereit.
Bericht von Thomas Schwarz nach Tag 7 (leicht gekürzt):

Heute war der erste Tag mit Frustpotential. Es lief wohl bis jetzt auch zu gut um wahr zu sein. Es fing damit an, dass ein Express-Paket von Hoppecke in Nairobi auf seine Zollfreigabe wartet. Ich erwarte nicht, dass es noch während meiner Anwesenheit ankommt. Wir haben versucht, unseren Plan B zu verwirklichen. Wir hatten noch genügend Kabel die lang genug waren, aber diese Kabel brauchen passende Ösen. Und es stellte sich als unmöglich heraus, in Mombasa jemanden zu finden, der nicht nur die passenden Ösen hat, sondern auch das Werkzeug, um sie aufzupressen. Wir haben es dann aber doch noch geschafft. Außerdem haben wir heute die Säure unfallfrei in die Batterien eingefüllt, so dass ich jetzt keine Hindernisse mehr sehe.

Na also, es geht doch! Die Säure wurde unfallfrei eingefüllt,  und alle Kabel wurden ordentlich verlegt, wenn auch nach Plan B improvisiert. Am Abend des achten Tages ist die Anlage komplett montiert, installiert, verkabelt und betriebsbereit.
Am 9. Tag ist es soweit. Die Sonne scheint an einem wolkenlosen Himmel, und der Strom fließt ins Netz der LPS und der LHS und lädt außerdem noch die Batterien auf. Alles läuft fast geräuschlos, nur ein leises Summen ist im Power House zu vernehmen. Bis zu 15 kW/h Strom kann die Anlage produzieren, und die Batterien sind groß genug, um auch nachts ausreichend Strom zu liefern. Wir sind sehr stolz und beeindruckt.
Jack Okello und Thomas Schwarz, die Garanten für den Erfolg des Projektes. Während seines Aufenthaltes konnte Thomas Schwarz zwei Mitarbeiter von uns so weit schulen, dass sie die Anlage warten und ggf. auch mal eine Störung beheben können. Von Deutschland aus hat Thomas Zugriff auf die Solaranlage über das Internet, so dass wir eigentlich nie ganz auf uns alleine gestellt sein werden. Ein schönes Gefühl.

Danke, Jack. Danke, Thomas Schwarz. Und natürlich Danke, Phoenix Solar AG.

Dies ist der Link zu der Solaranlage für alle, die mehr über technische Details der Anlage wissen möchten.

 


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